ZUSAMMENFASSUNG

4. Internationales Flusskrebsforum in Gersfeld/Rhön (Ein Kurzbericht - von Christoph Dümpelmann)

Nach Augsburg (D), Baden (CH) und Mondsee (A) fand das vierte internationale Symposium des Vereins forum flusskrebse   wieder in Deutschland statt. Vom 07.-10. Mai organisierten Holger Schulz von der Universität Landau sowie Christoph Dümpelmann vom Büro für Fischbiologie & Gewässerökologie in Marburg das im zweijährigen Rhythmus stattfindende Symposium in Gersfeld in der hessischen Rhön. Als Kooperationspartner konnte der Landkreis Fulda/Fachdienst Biosphärenreservat und Naturpark Hessische Rhön gewonnen werden. Im hessischen Biosphärenreservat Rhön wird seit Jahren erfolgreich ein Projekt zur Wiederansiedlung des Edelkrebses durchgeführt und so war auch von dieser Seite ein Interesse und Sachverstand hinsichtlich Krebse vorhanden.
Das Symposium fand im Gersfelder Hof statt, der nicht nur ideal per Bahn zu erreichen war, sondern wo Tagungsmöglichkeiten incl. Verköstigungen und Übernachtungen unter einem Dach möglich waren.


Teilnehmer des 4. Internationalen Flusskrebssymposiums des Vereins forum flusskrebse  vom 06.-10. Mai 2009 in Gersfeld/Rhön
Bild: Daniela Latzer

Im Rahmen einer allgemeinen, kostenfreien Eingangsveranstaltung am Donnerstagabend stellte der Vorsitzende Jürgen Petutschnig in einem Vortrag das forum flusskrebse   und Christoph Dümpelmann das Wiederansiedlungsprojekt des Edelkrebses in der Rhön vor. Claudia Klos gab im Anschluss eine allgemeine Einführung zur Biologie von europäischen Krebsen. Die zu diesem Veranstaltungsteil erschienen Pressevertreter und -vertreterinnen sowie zahlreiche Krebsinteressierte besonders aus dem Arbeitskreis `Rhöner Fließgewässer´, die z.T. auch im Wiederansiedlungsprojekt in der Rhön seit Jahren tätig sind. Sie konnten sich so über Krebse im Allgemeinen und über den Verein forum flusskrebse   im Speziellen informieren.
Der Rest des ersten Abends wurde, wie im Rahmen der Symposien üblich, mit Austausch über Krebse bis in die Nacht verbracht.

Am Freitag, den 8. Mai startete der Hauptteil des Symposiums mit Grußworten des Sachgebietsleiters der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Herrn Martin Kremer. Herr Kremer betonte, wie sehr es ihn und das Biosphärenreservat freue, diese Veranstaltung unterstützend hier in der Rhön stattfinden lassen zu können. Als "geistiger Vater" des Wiederansiedlungsprojekts des Edelkrebses im hessischen Biosphärenreservat Rhön stand und steht Herr Kremer den Krebsen seit Jahren sehr nahe. Ebenfalls Grußworte sprachen ein Vertreter der Gersfelder Bürgermeisterin sowie Herr Christoph Laczny von der zuständigen Oberen Fischereibehörde in Kassel. Über diese Behörde unterstützt das Land Hessen das Rhöner Wiederansiedlungsprojekt Edelkrebs seit Jahren.


Der Beweis, dass der Vorstand immer arbeitet – sogar während der Tagung (Jürgen Petutschnig & Daniela Latzner)
Bild: Christoph Dümpelmann

Nach diesen Grußworten stand der erste Vortragsblock ganz im Zeichen der "locals" und aktuelle Kartierungsstände landesweiter Erfassungen in Hessen (Knut Gimpel), des hessischen Lahneinzugsgebiets im Detail (Frank Bonacker) sowie der flächendeckenden Erfassung in Unterfranken (Stefan Kaminsky) wurden vorgestellt. Nach kurzer Kaffeepause ging es dann um "interspezifische Konkurrenz". Thomas Schmidt stellte mittels eines statistischen Modells dar, dass die Verdrängung des Edelkrebses durch den Signalkrebs bei sympatrischen Vorkommen rein demographische Gründe haben kann und interspezifische Aktionen zumindest statistisch gesehen, eine vernachlässigbare Rolle spielen. Anja Dethlefs zeigte im Anschluss Möglichkeiten auf, wie stark in Krebszuchten die Prädation von Großlibellenlarven (Aeshniden) auf Jungkrebse sein kann und wie sie reduziert werden könnte.
Am Nachmittag stand die Busexkursion ins Biosphärenreservat auf dem Programm. Unter Leitung des Rangers Hubert Heger gewannen die Teilnehmer einen Eindruck von der vielfältigen Landschaft im Dreiländereck Hessen/Bayern/Thüringen. Der Besuch der Fischzucht Keidel in Wüstensachsen an den Quellen der Ulster gab Einblicke in die Zucht von einheimischen Bachforellen und Äschen. Da zu dieser Jahreszeit temperaturbedingt in der Rhön noch nicht erfolgreich auf Krebse gereust werden kann, war dies wahrscheinlich die erste Tagungsexkursion des Vereins ohne Besichtigung von Krebsvorkommen.
Wie üblich endete der Abend sehr spät mit länderübergreifendem Austausch bzgl. Krebsen und allem, was damit zu tun hat.


Tagungsexkursion in der Rhön – dem Land der „Offenen Fernen“ mit dem Rhön-Ranger Hubert Heger
Bild: Daniela Latzer

Der Samstag startete wiederum mit einem Vortragsblock zur Verbreitung von Krebsarten. Beginnend mit Peer Martin, der die Verbreitung der Großkrebse im Freistaat Sachsen incl. des sensationellen Nachweises des Steinkrebses darstellte. Wolfgang Schmalz gab einen Überblick der Verbreitung der einheimischen und gebietsfremden Arten in Thüringen und Michael Pfeiffer stellte intensive Kartierungen im Schwarzwald dar ("alles Steinkrebsland!").


Claudia Klos als „chairwoman“ beim Vortrag von Peer Martin über die Verbreitung der Krebse in Sachsen
Bild: Christoph Dümpelmann

Der spätere Vormittag stand wiederum im Zeichen der Interaktionen von einheimischen und gebietsfremden Krebsarten. Während Thomas Schmidt erste Ergebnisse seiner Diplomarbeit zur Konkurrenz zwischen Edelkrebs und Signalkrebs darlegte, ging Holger Schulz detailliert auf den aktuellen Stand zur Konkurrenz zwischen Kamberkrebs und Edelkrebs ein. Wie erwartet (und erhofft) bestand beim Thema der Konkurrenz zwischen einheimischen und gebietsfremden Krebsarten erheblicher Diskussionsbedarf und - da sind sich alle Symposiumsteilnehmer einig gewesen - auch noch erheblicher Forschungsbedarf.


Thomas Schmidt referiert über die schwierigen Themen Konkurrenz und Modelle
Bild: Daniela Latzer


Am Nachmittag stellten Christoph Chucholl die ökologischen Auswirkungen des Roten amerikanischen Sumpfkrebses in einem Gewässer in der Nähe von Ulm vor. Durch "enclosure-Experimente" konnten Nahrungspräferenzen festgestellt werden und der Einfluss dieser invasiven Art wurde diskutiert. Andreas Martens verdeutlichte im Anschluss die Verbreitung des Kalikokrebses im Rhein, stellte Verbreitungsstrategien und mögliche, besiedelbare Gewässer der Aue vor und teilte den anwesenden hessischen Kollegen mit, dass die Art hochwahrscheinlich bereits in Hessen vorkommen würde.


Christoph Chucholl bei seinem Vortrag über den Roten Amerikanischen Sumpfkrebs
Bild: Daniela Latzer

Karsten Grabow befasst sich vor der Kaffeepause mit den Krebsegeln, die jeder der Anwesenden kannte, sich jedoch selten einmal genauer betrachtet hatte. Auf amerikanischen Signalkrebsen konnte ein bisher in Europa unbekannter Krebsegel entdeckt werden. Auch im Bereich dieser epizoischen Besiedler der Krebse ist aktuell relativ wenig bekannt und der Forschungsbedarf wurde deutlich. Der Vortrag weckte bei einigen "Krebslern" Interesse an dieser Gruppe und es ist davon auszugehen, dass in Zukunft zumindest intensiver auf Krebsegel geachtet wird und diese gesammelt werden.
Der Nachmittag startete mit dem didaktisch gelungenen Vortrag von Wolfgang Schmitz, welcher zeigte, wie und warum sich die Farbe des Krebspanzers beim Kochen ändert und wie es sich im Allgemeinen mit den Farbstoffen der Krebse verhält. Nach diesem Vortrag fragte sich so Manche(r) im Auditorium, warum Chemie in der Schule oder der Universität nicht immer so interessant und verständlich dargestellt werden könnte.
Letzter Vortrag des Tages: Die Populationsökologie des Roten amerikanischen Sumpfkrebses. Christoph Chucholl zeigte, dass sich die Art bereits an die hiesigen, mitteleuropäischen kühleren Verhältnisse angepasst hat, länger lebt, größer wird und nur noch im Spätsommer reproduziert.
Im Anschluss erfolgte die Mitgliederversammlung des Vereins "forum flusskrebse", welche professionell und zügig abgehalten wurde.
Im Rahmen des gemeinsamen Abendessens beim spanischen Buffet wurden nicht nur viele fachliche und private Gespräche geführt, sondern auch noch der Geburtstag von Max Keller gefeiert. Dazu auch noch einmal: Herzlichen Glückwunsch Max! Es war ein schöner Abend.


Zwei „Altvordere“ des Vereins
Bild: Daniela Latzer

Am Sonntag, dem letzten Tag des Symposiums, stellte Harald Groß die umfangreichen Erhebungen, die Schulungen sowie den aktuellen Kartierungsstand im Flächenbundesland Nordrhein-Westfalen vor. Zu diesem Vortrag gab es auch eine Poster-Wanderausstellung, welche während der Tagung aufgebaut war. Den Abschluss der Vorträge machte Jürgen Petutschnig mit der Vorstellung der "Krebswandermeile in Fresach". Ein Öffentlichkeitsprojekt mit Beispielcharakter, bei welchem in der Diskussion jedoch auch die Befürchtungen von möglichen Gefährdungen durch eine starke Besucherfrequentierung geäußert wurden.

Im Rahmen der Abschlussdiskussion wurden weitere Aktivitäten sowie weiterer Service des Vereins
forum flusskrebse   diskutiert. Die Ergebnisse sind bald auf der homepage erkennbar. Zusätzlich erfolgte eine Diskussion bzgl. dringendem Forschungsbedarf sowohl hinsichtlich der Konkurrenzsituation zwischen einheimischen und gebietsfremden Krebsarten als auch in Bezug auf die Durchseuchung der allochthonen Population mit dem Krebspesterreger.


Der neue Vorsitzende des Vereins Thomas Stucki (mitte) mit den Organisatoren der Tagung Holger Schulz (links) und Christoph Dümpelmann (rechts)
Bild: Daniela Latzer

Die Organisatoren möchten an dieser Stelle recht herzlich den ehrenamtlichen Helfern des Arbeitskreises Rhöner Fließgewässer Dagmar & Werner Piechotta und Georg Hohmann sowie Kerstin Knebel für die ständige Besetzung unserer Anmeldung danken. Ebenso gilt großer Dank Joachim Walter und Hubert Heger für die reibungslose "Hintergrundorganisation" im Biosphärenreservat sowie Lothar Keidel für die tollen Einsichten in seine Forellen- und Äschenzucht im Rahmen der Exkursion.

Fazit: Das Symposium war informativ, brachte aktuelle Forschungsergebnisse mit vielfältigen Themen und hat den Beteiligten nicht nur im Rahmen der abendlichen "Nachsitzungen" großen Spaß gemacht.

 

Anschrift des Verfassers:
Dipl.-Biol. Christoph Dümpelmann
Büro für Fischbiologie und Gewässerökologie
Zeppelinstrasse 33
35039 Marburg
Duempelm@students.uni-marburg.de